Radlager und Traggelenk vorne tauschen – Audi A3 8P

Im letzten Beitrag habe ich gezeigt, wie beim Audi A3 8P die Radlager hinten getauscht werden. Jetzt muss an meinem A3 auch das Radlager vorne links getauscht werden. Der Tausch ist diesmal allerdings nicht verschleißbedingt, sondern aufgrund eines Fehlers meinerseits, beim Einbau der Bremsenschutzbleche vorne, wie ich im entsprechenden Beitrag kurz erwähnt habe. Zumindest ist das meine Vermutung. Mit 100%iger Sicherheit lässt sich das zwar nicht sagen, es spricht jedoch vieles dafür, dass sich die Radschrauben vorne links gelöst haben, weil noch Rost zwischen Radlager und Bremsscheibe vorhanden war.
Doch egal wo genau der Fehler passiert ist, das linke Vorderrad hat sich jedenfalls während der Fahrt gelöst und verkeilte sich, nur noch an einer Schraube hängend. Glücklicherweise passierte das kurz nach dem Ortseingang bei nur knapp über 30 km/h und nicht 5 Minuten vorher auf der Autobahn. Somit blieben zumindest Radlauf und Kotflügel von Folgeschäden verschont.
Das Rad sowie die Gewinde im Radlager waren allerdings kaputt. Durch Nachschneiden der Gewinde konnte ich zumindest noch mit dem Notrad nach Hause fahren. Das Radlager vorne links muss aber natürlich getauscht werden. Wie das geht zeige ich also jetzt in diesem Beitrag.

Vorbereitung

Als erstes muss die Schraube die Schraube in der Mitte, mit der die Antriebswelle befestigt ist, etwas gelöst werden. Das Auto bleibt also vorerst mit angezogener Handbremse stehen, sodass die Schraube mit einer 24mm Doppel-6-Kant-Nuss etwas gelöst werden kann. Da die Schraube sehr fest angezogen ist, habe ich ein Rohr zur Verlängerung auf den Gelenkgriff geschoben.

Anschließend wird das Auto wie so oft vorne aufgebockt und das Vorderrad abgenommen.

Bremse entfernen

Als nächstes muss die Bremse entfernt werden. Hierzu erst mal den Achsschenkel eindrehen.

So kommt man besser an die Schrauben des Bremssattels dran.

Um den Bremssattel abnehmen zu können, müssen die Beläge ein Stück auseinander gedrückt werden.

Der Bremssattel sollte aufgehängt werden, um den Bremsschlauch nicht zu beschädigen.

Als nächstes wird auch die Bremsscheibe abgenommen. Hierzu muss nur noch die kleine Befestigungsschraube entfernt werden.

Anschließend habe ich die Zentralschraube sowie das Bremsenschutzblech entfernt.

Radlager vorne ausbauen

Um die Antriebswelle aus dem Radlager herausziehen zu können, muss das Traggelenk gelöst werden. Hierbei ist leider eines der Gewinde des Traggelenks abgerissen. Deshalb musste nun also auch noch das Traggelenk getauscht werden.

Als nächstes werden die Befestigungsschrauben des Radlagers mit einer Drahtbürste gereinigt. Der M12-Bit muss schließlich perfekten Halt in den Schraubenköpfen finden, damit diese nicht rundgedreht werden.

Um die Chance für ein einfaches Lösen zu erhöhen, kommt auch noch WD40 zum Einsatz.

Um das Radlagergehäuse zu stabilisieren, habe ich das Traggelenk wieder mit einer Mutter befestigt.

Anschließend können die vier Schrauben des Radlagers gelöst werden. Damit der Vielzahn auch wirklich gut in der Schraube hält können ein paar Schläge mit dem Hammer helfen.

Die Schrauben sind durch den Rost mal wieder über die gesamte Länge schwergängig. Somit passierte es leider doch noch, dass die Verzahnung in einem Schraubenkopf rund wurde. Glücklicherweise passierte das allerdings erst, nachdem die Schraube schon ein ganzes Stück gelöst war.

Die übrigen Schrauben stellten dagegen, abgesehen vom nicht unerheblichen Kraftaufwand, kein Problem dar.

Doch auch nach dem Lösen der Schrauben, lies sich das Radlager nicht einfach abnehmen. Es saß noch fest in seiner Aufnahme. Ein paar Schläge mit dem Hammer auf die noch nicht entfernte Runde Schraube, sowie auf die, extra zu diesem Zweck wieder ein Stück eingedrehten, übrigen Schrauben verhalf zumindest zu einem kleinen Spalt zwischen Radlagergehäuse und Radlager.

Mit einem Meißel, welcher an diesem Spalt angesetzt werden kann, lässt sich das Radlager dann entfernen…

…wäre da nicht noch diese eine Schraube, die sich nicht ganz entfernen lies. Doch der Spalt war zum Glück schon groß genug, dass sich ein Winkelschleifer problemlos ansetzten lies, um auch die letzte Verbindung zu lösen.

Neues Radlager vorne einbauen

Bevor nun das neue Radlager vorne eingebaut werden kann, sollte der Rost, soweit wie möglich entfernt werden. Hierzu habe ich für die gröberen Roststellen eine Drahtbürste, sowie Hammer und Meißel verwendet. Für die feineren Arbeiten an der Anlagefläche des Radlagers kamen eine Messingdrahtbürste und Schleifpapier zum Einsatz. Den losen Roststaub habe ich mit Druckluft weggeblasen.

Nachdem alles gereinigt ist, kann das neue Radlager eingebaut werden.

Die vier Befestigungsschrauben gehören zum Lieferumfang.

Die Schrauben werden zuerst mit 70 Nm angezogen und anschließend um 90° weitergedreht.

Traggelenk tauschen

Wäre das Traggelenk ganz geblieben, müsste es jetzt einfach wieder angeschraubt werden. Da bei mir jedoch ein Gewinde abgerissen ist, muss das Traggelenk ersetzt werden.
Mit einem 18er Schlüssel wird die Mutter oben gelöst.

Nachdem auch die Verbindung zum Dreieckslenker wieder gelöst wurde, lässt sich das Abdrückwerkzeug am Traggelenk ansetzen. Wenn das Abdrückwerkzeug richtig sitzt, sind es nur noch wenige Umdrehungen mit dem Schraubenschlüssel, um das Traggelenk zu lösen.

Das neue Traggelenk wird mit einer neuen selbstsichernden Mutter eingebaut. Zum Gegenhalten wird eine T-40 Nuss benötigt. Die Mutter wird mit 60 Nm angezogen.

Bevor die drei unteren Schrauben des Traggelenks im Dreieckslenker montiert werden können, muss die Antriebswelle wieder ihren Platz einnehmen. Die Verzahnung der Antriebswelle wird also gründlich gereinigt und anschließend etwas gefettet.

Die Verzahnung der Antriebswelle in das Radlager einzuführen kann etwas schwierig sein. Besonders dann, wenn man gleichzeitig auch noch das Traggelenk in Position bringen muss.

Die drei Muttern unten am Traggelenk werden je nach Ausführung des Dreieckslenkers mit unterschiedlichem Drehmoment angezogen. Bei Stahlgusslenker und Aluminiumlenker sind es 60 Nm. Ist ein Stahlblechlenker verbaut, werden die Muttern mit 100 Nm angezogen.

Auch die Antriebswelle wird mit einer neuen Schraube befestigt. Diese ist im Lieferumfang des Radlagers enthalten und wird erst einmal soweit wie möglich von Hand eingeschraubt, bis sich die Welle und das Radlager mitdrehen. Richtig anziehen lässt sich die Schraube erst, wenn das Auto wieder auf den Rädern steht.

Bremse montieren

Jetzt kann auch der Rest wieder montiert werden. Dementsprechend kommt nun wieder das Bremsenschutzblech dran. Die drei Schrauben werden mit 10 Nm angezogen.

Die Bremsscheibe wird vor der Montage natürlich gründlich gereinigt und vom Rost befreit. Schließlich hat mir die Vernachlässigung dieses Schritts den Ärger höchstwahrscheinlich eingebrockt.

Zusätzlich schmiere ich dieses mal noch die Radnabe mit Bremsenpaste ein, bevor die Bremsscheibe montiert wird.

Auch die Anlageflächen für die Bremsbeläge am Bremssattelträger werden eingeschmiert, bevor der Bremssattel wieder montiert wird. Die Führungsbolzen werden dabei mit 30 Nm angezogen. Danach kommen die Abdeckkappen wieder drauf.

Abschließende Arbeiten

Bei der Montage des Rads ist darauf zu achten, dass die Kappe in der Mitte vorher entfernt wird, schließlich muss die Zentralschraube gleich noch angezogen werden.

Nach dem Ablassen des Autos wird die Zentralschraube erst mit dem Drehmomentschlüssel angezogen und anschließend noch um einen bestimmten Winkel weitergedreht. Drehmoment und Winkel sind dabei von der Ausführung der Schraube abhängig. Handelt es sich um eine Sechskantschraube oder eine Zwölfkantschraube ohne Verrippung sind es 200 Nm + 180°. Das war bei mir der Fall und dementsprechend habe ich auch einen langen Hebel benötigt. Bei Zwölfkantschrauben mit Verrippung sind es nur 70 Nm + 90°.

Zu guter Letzt noch die Radschrauben wie gewohnt anziehen und die Kappe in der Mitte wieder aufstecken und fertig ist der Wechsel des Radlagers mit außerplanmäßigem Wechsel des Traggelenks.

Fazit

Auf den Wechsel der vorderen Radlager hätte ich gerne Verzichten können. Doch da ich mir die Suppe vermutlich selbst eingebrockt habe, musste ich sie nun auch selbst auslöffeln. Trotz einiger Schwierigkeiten war der Wechsel relativ gut machbar. Die andere Seite habe ich dann auch gleich noch getauscht. Mit der Übung vom ersten mal ging das gleich schon etwas besser von der Hand. Auch hier rissen die Gewinde am Traggelenk ab. Der Wechsel war in diesem Fall ja aber schon eingeplant.
Insgesamt bin ich einfach wieder froh eine Reparatur an meinem Auto selbst durchgeführt zu haben, was wieder einige Kosten gespart hat.

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